Konzept zur Gewaltprävention


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Das Konzept zur Gewaltprävention der Grundschule Westerode bezieht sich auf die Erlasse „Sicherheits- und Gewaltpräventionsmaßnahmen in Schulen“ RdErl. D. MK v. 15.2.2005 – 23.3 –51650 – VORIS 22410 und „Zusammenarbeit zwischen Schule, Polizei und Staatsanwaltschaft“ Gem. RdErl. D. Mk. D. MI u. d. MJ v. 30.9.2003 – 201-51661–VORIS 22410
Laut Erlass ist an jeder Schule ein auf die Verhältnisse der Schule bezogenes Sicherheitskonzept zu entwickeln, das durch gewaltpräventive Maßnahmen gestützt wird. Das Sicherheitskonzept ist mit allen an Schule Beteiligten abzustimmen und auf der Gesamtkonferenz zu beschließen. Im Vordergrund des Erlasses steht die Gewaltprävention, die durch nachfolgende Punkte unterstützt werden soll:

1. Verhütung von Gewalt
Gestaltung der Umgebung, z.B. technische Sicherheitsmaßnahmen verbessern sowie Hilfsmittel auf evtl. Nutzbarkeit als Waffen überprüfen.
Maßnahmen im inneren Schulbetrieb
Die entwickelten Strategien zur Gewaltprävention müssen für alle an Schule Beteiligten transparent gemacht werden, um eine höchstmöglichen Sicherheit zu garantieren.

2.Maßnahmen bei einem akuten Gewaltvorfall
Genaue Einhaltung der erstellten Verhaltensstrategien, z.B. Beenden der Gewalttat, soweit dies realisierbar ist ggf. Dritte zu Hilfe rufen, Sorge für die Sicherheit des Opfers in der akuten Situation etc.
Schadensbegrenzung nach Gewalttaten
Nach einer Gewalttat ist es notwendig, das Opfer zu schützen und den Schaden zu begrenzen. Hierbei ist es notwendig die Person (Zeuge und oder Opfer) nicht sich selbst zu überlassen und das Opfer u.a. bei der Erledigung der notwendigen Schritte zu unterstützen sowie eine allgemeine Risikobewertung zu erstellen.

Punkt 2 wird auch durch den Erlass “Zusammenarbeit zwischen Schule, Polizei und Staatsanwaltschaft“ gestützt.

Die Grundschule Westerode sieht sich als Instanz, die Kinder in ihrer Selbstverwirklichung und der Entfaltung ihrer subjektiven Möglichkeiten, Fähigkeiten und Fertigkeiten fördert. Die Schule soll als Vorbild zu Toleranz, Achtung und Autonomie erziehen, um den Demokratisierungsprozess der Schüler voranzutreiben. Weiterhin wird durch ein langfristiges soziales Kompetenztraining die Fähigkeit und die Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit den schulischen Sozialanforderungen gestärkt. Somit sollen die Schüler ein prosoziales Verhalten entwickeln.

Wir orientieren uns in der Gewaltprävention an folgenden Prinzipien:
  • Identifikation mit der Schule
  • Schaffung einer schulischen Umgebung, die gekennzeichnet ist von Wärme, positiver Anteilnahme und Engagement aller Beteiligten
  • Kommunikationstraining
  • Setzen von festen Grenzen gegenüber inakzeptablen Verhaltensweisen
  • Konsequenz in der Anwendung pädagogischer Maßnahmen
  • Werte- und Sozialerziehung im Unterricht

Im Folgenden werden unsere Maßnahmen zur Gewaltprävention
auf Schulebene und
auf Klassenebene vorgestellt.


a) Maßnahmen auf Schulebene

• Aufsicht während der Pausen
Jede Lehrkraft achtet auf ein produktives Streitschlichten während der Pausen und unterstützt ggf. Hilfebedürftige, indem sie Lösungsmöglichkeiten anbietet.

• Unsere Schule kann durch ihren Status „Volle Halbtagsschule“ ausreichend aktive Bewegungszeit im Unterricht und während der max. vier Hofpausen anbieten.

• Anfang des Jahres 2008 entsteht mit Hilfe des Fördervereins Westerode ein umweltnaher Schulhof durch die Unterstützung des Konzepts der Holunderschule nach Basedow Clark.

• Kooperation Lehrer – Eltern
Der stetige Austausch zwischen Lehrern und Eltern wird durch mehrmals angebotene Elternsprechtage im Schuljahr unterstützt und vertieft.

• Kooperation Schule – Polizei - Staatsanwaltschaft (siehe o.g. Erlass)
Diese Zusammenarbeit greift insbesondere bei schwereren Delikten wie z. B. Diebstahl.

• Lehrerfortbildung

• Selbstbehauptung und Gewaltprävention durch Wing Tsun
Diese Kurse finden jährlich in der letzten Winterwoche nach dem Konzept von H. Palazzo in allen Klassen aufbauend statt. Wichtig sind uns hierbei nachhaltige Ergebnisse, damit die Schüler angeeignete Erfahrungen auch an weiterführende Schulen mitnehmen können.
Auf Wunsch vieler Eltern und Lehrer haben die WT-Schulen der EWTO in Zusammenarbeit mit Psychologen, Polizeibeamten, Lehrern, Erziehern und Selbstverteidigungsexperten spezielle Kurse für den Schulbereich (Kids Wing Tsun) eingerichtet. Kinder können ab 5 Jahren an den Kursen teilnehmen.
Die Schülerinnen und Schüler sollen auf ihre Intuition vertrauen und ein „natürliches“ Frühwarnsystem für bedrohliche Situationen entwickeln. Der gezielte Einsatz von Körpersprache und rhetorischen Mitteln eröffnet die Möglichkeit, Streit zu verhindern. Durch ein gesteigertes Selbstbewusstsein verlassen sie eine mögliche Opferrolle und erlangen mehr Sicherheit und Durchsetzungsvermögen. Die Schülerinnen und Schüler erlernen außerdem eine einfache und notwehrgerechte Verteidigung.


b) Maßnahmen auf Klassenebene

• Klassenrat
Der Klassenrat ist ab der 2. Klasse fester Bestandteil im Stundenplan. Hierzu werden wöchentlich im Kummerkasten, Klassenheft o.ä. Beschwerden gesammelt, die am Ende der Woche mit der gesamten Klasse besprochen werden. Die Kinder diskutieren ihr Anliegen direkt mit dem jeweiligen Kind und überlegen sich gemeinsame Lösungen. Der Klassenlehrer dient als Unterstützung und Hilfe bei der Gesprächsführung. Die gefundene Lösungen werden vorerst für die kommende Woche ausgesprochen, können aber bei wiederholten Vergehen auch als Klassenvertrag (der von beiden Parteien unterschrieben werden muss) schriftlich festgelegt werden.

• Sportunterricht „Ringen und Kämpfen“
Allgemein dient der Sportunterricht neben seiner gesundheitlichen Seite bei vielen Schülern auch als Aggressionsabbau. Zudem fördern Spiele das gemeinsame Handeln und die Fairness untereinander. Fester Bestandteil unseres Sportunterrichts ist das Thema „Ringen und Kämpfen“.
Ringen oder Ringspiele werden hier nicht als fest definierte Sportart wie das Ringen in Vereinen und oder bei olympischen Spielen betrachtet. Hier wird das Ringen vielmehr im Sinne eines „Ordnungsbegriffs einer kultivierten, handgreiflich- kämpferischen Thematisierung von Bewegungen, in dem vom Schlagen und Stoßen abgesehen wird“ gesehen.
Dieses Verständnis vom Ringen wird dem Kontakt- Kampfsport zugerechnet, indem ein ständiger Partnerkontakt die Voraussetzung für das Miteinander- Kämpfen ist.
Die unmittelbare Nähe der Körper der Kampfpartner wird gewollt und absichtlich eingegangen. Dieser stetige zwischenmenschliche Körperkontakt kann nicht nur im Stand, sondern vor allem in besonders ausgeprägter Weise am Boden stattfinden. Dabei kann der Körperkontakt auch lustbetont sein, in erster Linie unter Freunden, aber hier auch durchaus unter Klassenkameraden (faires, regelgerechtes Ringen macht Spaß!).
Wichtig für einen verletzungsfreien, respektvollen Umgang miteinander innerhalb des Ringens sind die Einhaltung der erarbeiteten Regeln und Rituale, die eine gegenseitige Begrüßung, die Frage ob man zum Kampf bereit sei, das Wort „Stop“ als Signal, den Kampf sofort zu beenden und eine Einschränkung der Handlung (Schlagen, treten usw. ist nicht erlaubt) mit einschließen.
Besonders zur Förderung der Sozialkompetenz sollen die körperlichen Auseinandersetzungen beitragen. Die Schüler müssen sich ihrer Verantwortung bewusst sein, dass über allem die Gesundheit und das Wohlbefinden des Partners stehen soll und dass zu deren Gewährleistung die selbst erarbeiteten Regeln einzuhalten sind. Auch die Massage am Ende der Stunde fördert das soziale Einfühlungsvermögen der Schüler.
Die Selbstkompetenz der Schüler soll in dem Sinne gefördert werden, dass sie Sensibilität auch für den eigenen Körper entwickeln und sich ggf. auch mit der Situation auseinandersetzen, dass sie nicht mehr kämpfen können oder wollen und ihre Gefühle bzw. ihr Anliegen dann auch zum Ausdruck bringen.

• Religionsunterricht
Im Religionsunterricht ist der Baustein „Ethik“ integriert. In allen Klassenstufen wird das Thema „Freunde – Gegner – Feinde“ unterrichtet. Das Verständnis der eigenen Person, der Beziehungen zu Mitmenschen und der Zusammenhänge im öffentlichen Leben – sind zentrale Punkte dieser Einheiten und werden bestmöglichst gefördert.

• Sachunterricht
Auch im Sachunterricht wird in allen Klassenstufen der Themenbereich Werte- und Sozialerziehung behandelt. Hier sollen die Kinder auf ihre Rolle als mündige Bürger vorbereitet werden. Dazu gehört:
  • Selbstvertrauen und Verantwortungsgefühl zu entwickeln und das Beste aus den eigenen Fähigkeiten zu machen;
  • einen gesunden und sicheren Lebensstil zu entwickeln;
  • positive Beziehungen zu entwickeln und Unterschiede zwischen den Menschen zu respektieren;
  • eigenständig zu denken, Gedanken und Meinungen selbstbewusst auszudrücken und auch die Ansichten anderer Kinder zu respektieren;
  • vollwertige Mitglieder der eigenen Gruppe zu werden und zu lernen, dass jeder Rechte hat, aber auch Pflichten und Verantwortung gegenüber anderen.

Regelmäßige Klassengespräche, Rollenspiele, kooperatives Lernen, gemeinsame positive Aktivitäten (Wanderfahrten, Ausflüge, Ausstellungen, Stände) unterstützen die oben beschriebenen Maßnahmen in allen Klassen und dienen dem Konzept zur Gewaltprävention unserer Schule.

Bad Harzburg, 28.11.07

Foto: © S.Hofschlaeger / PIXELIO